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Die Kirche in Gottes Hand

Zdjęcie: Marek Borawski/ Nasz Dziennik

Umarmen wir die Kirche im Gebet!

Wtorek, 19 lutego 2013 (13:26)

Waldemar Chrostowski

(katholischer Priester, Professor für Biblische Theologie an der Stefan-Kardinal-Wyszyński-Universität Warschau)

 

Man braucht außerordentlich viel Mut, um die Wahl zum Papst anzunehmen. Aber noch mehr Mut ist nötig, um eine Entscheidung zu fällen, wie sie gestern der Hl. Vater Papst Benedikt XVI. gefällt hat. Ich meine, dass man diese Entscheidung unter eben diesen zwei Blickwinkeln betrachten muss. Denn dies sind gleichsam zwei Gesichter ein und desselben Verantwortungsbewusstseins. Im April 2005 nahm Joseph Kardinal Ratzinger die Wahl zum Nachfolger des Hl. Petrus in tiefer Demut an. Davon zeugen die Worte, die er zu Beginn seines Pontifikats wählte und die zugleich eine tiefgreifende Diagnose der Situation der Kirche und ihres Ortes in der heutigen Welt beinhalten.

Während der knapp acht Jahres seines Pontifikats hat der Hl. Vater diese Diagnose zunehmend vertieft. Dabei gab er uns die ganze Zeit über immer wieder zu verstehen, dass die Aufgaben der Kirche so dramatisch schwierig sind und die lebendige Gegenwart der Kirche in der Welt derart nötig ist, dass der Stimme und Rolle des Stellvertreters Christi auf Erden eine absolut einzigartige Bedeutung zukommt. Überaus wichtig ist ferner der Zeitpunkt der Bekanntgabe der Entscheidung über den vorzeitigen Rücktritt – das Fest der Hl. Muttergottes von Lourdes, der zugleich Welttag der Kranken ist.

Bis zuletzt drang nichts an die Öffentlichkeit durch, aber der Papst hat sich zweifellos sehr diskret auf die Bekanntgabe seiner Entscheidung vorbereitet. Diese Entscheidung reifte nicht nur etliche Tagen oder Wochen, sondern sicherlich viele Monate lang und vielleicht sogar noch länger. Indem der Papst ganz bewusst das Fest der Hl. Muttergottes von Lourdes und den Welttag der Kranken wählte, gibt er uns zu verstehen, welche Umstände und Erwägungen seinem Rücktrittsbeschluss zugrundeliegen.

Der Papst ist nicht verpflichtet, uns eine ärztliche Krankheitsbescheinigung vorzulegen oder uns mit den Einzelheiten medizinischer Untersuchungen über seinen Gesundheitszustand vertraut zu machen. Vielleicht werden wir im Laufe der Zeit ohnehin mehr darüber erfahren und auch mehr verstehen. Wichtig ist hingegen, dass Benedikt XVI. uns eindeutig zu erkennen gibt, dass seine Kräfte ihn verlassen. Und da er selbst Zeuge der seit dem Jahre 2000 rasch fortschreitenden Krankheit seines Vorgängers Johannes Pauls II. war, blickt er auf die Kirche und seinen eigenen Platz bzw. seine Rolle in ihr unter der spezifischen Prägung der Erinnerung an die damaligen Ereignisse.

Der mit Papst Benedikts äußerst schwerer Entscheidung verbundene Mut müsste uns zu denken geben. Wichtig ist ferner, den tiefen Sinn und die eigentliche Bedeutung dieser Entscheidung gut zu verstehen. Ich glaube nicht, dass wir dazu bereits heute in der Lage sind. Wir brauchen eher noch viel Zeit. Aber weil diese Entscheidung absolut beispiellos ist (in der neueren Kirchengeschichte gab es bisher keinen vergleichbaren Fall!), sind dazu auch ein absolut beispielloses Gebet und volles Vertrauen zum Hl. Vater nötig. Wir sollten diese Entscheidung nicht als interessante Neuigkeit oder Sensation betrachten, sondern aus dem Blickwinkel des christlichen Glaubens. Denn im Jahr des Glaubens möchte uns Benedikt XVI. etwas sehr Wesentliches mitteilen – dass Gott den Menschen nicht nur dann braucht, wenn er imstande ist, mit hoher Vitalität zu handeln, sondern auch dann, wenn er durch hohes Alter, Leid und Gebrechlichkeit ein authentisches Glaubenszeugnis geben kann. Dieses Glaubenszeugnis kann aber auch im demütigen Eingeständnis aufleuchten, dass das petrinische Flaggschiff der katholischen Kirche von einem anderen wirksam gesteuert werden sollte. Die Kirche durchlebt jetzt eine außerordentlich wichtige Zeit, in der wir alle sehr viel Gebet benötigen.

Die Entscheidung Benedikts XVI. wird in den nächsten Tagen und Wochen vor allem in den Massenmedien sicherlich noch viel Sensationslust wecken. Dann aber werden sich alle rasch an den neuen Zustand gewöhnen. Bald kommt die Zeit des sede vacante, in der ein neues Konklave einen neuen Papst wählen wird.

Aktualizacja 8 lipca 2013 (13:53)

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