logo
Die Kirche in Gottes Hand

Zdjęcie: E.Sądej/ Nasz Dziennik

Ein Pontifikat in apokalyptischen Zeiten

Wtorek, 19 lutego 2013 (14:11)

Das reiche Vermächtnis der Glaubenslehre des Hl. Vaters sowie die treffende Bewertung der Lebenssituation des Menschen von heute sind charakteristische Merkmale des Hirtendienstes Benedikts XVI. Dessen unerwarteten Verzicht auf das Petrusamt bezeichnete der italienische Soziologe und Leiter des Observatoriums für Religionsfreiheit CENSUR, Prof. Massimo Introvigne, sogar als „apokalyptisch“.

 

Wie Prof. Introvigne betonte, geht es nicht um die von Medienkreisen verbreitete Nachricht über ein angeblich bevorstehendes Weltende oder um Weissagungen falscher Propheten, die mit dem katholischen Glauben kaum etwas zu tun haben. „Das Adjektiv ‚apokalyptisch‘ bezieht sich vielmehr auf extrem schwierige Zeiten für Kirche und Gesellschaft sowie insbesondere auf den stark zunehmenden Prozess der Entchristlichung, dessen Zeugen wir sind“ – sagte der italienische Soziologe.

Prof. Introvigne machte dabei auf den breiten Blickwinkel Benedikts XVI. in Bezug auf die säkulare Lebenswirklichkeit und die Kirche aufmerksam. Er erinnerte daran, dass der Hl. Vater vor allem zwei Botschaften übermittelte: Fatima und die Prophezeiungen der Hl. Hildegard von Bingen, die zur Kirchenlehrerin erhoben wurde. Introvigne sieht die Rücktrittsentscheidung des Papstes im Kontext eben dieser beiden Botschaften. Dabei sei die Botschaft von Fatima der eigentliche Hintergrund der päpstlichen Entscheidung. „Denn im Mittelpunkt der Botschaft von Fatima steht der Richtspruch über die Geschichte und insbesondere die Zeitgeschichte” – meinte der italienische Soziologe und erinnerte an die Worte Benedikts XVI. während bei seinem Besuch am Marienwallfahrtsort Fatima: „Die in Fatima vorhergesagten Tragödien sind mit dem Ende der kommunistischen Ideologie noch nicht vergangen. Die Krise wurde noch nicht gelöst. In gewisser Hinsicht ist sie heute so ernst wie nie zuvor, da sie vor allem eine Krise des Glaubens und daher auch eine moralische und gesellschaftliche Krise ist.”

Prof. Introvigne wies ferner auf den dritten Teil der Botschaft von Fatima, den „Schüssen aus der Waffe” hin, die nicht nur im Kontext des konkreten Attentats auf Papst Johannes Paul II. gesehen werden, zu dem sich bereits im Jahre 2000 der damalige Kardinal Joseph Ratzinger geäußert hatte, sondern aus einem viel breiteren Blickwinkel – als Angriffe auf die Kirche von außen und innen, worüber Benedikt XVI. im Jahre 2010 sprach – bedacht werden. Der italienische Soziologe zitierte darüber hinaus aus einer Vision der Hl. Hildegard von Bingen aus dem Jahre 1170, als die kranke Hildegard bei vollem Bewusstsein eine schöne Frau in leuchtend hellen, jedoch staubbedeckten Gewändern sah, die die Sünden aller Menschen - auch der Priester - symbolisierten.

Prof. Introvigne griff dabei sehr bedeutsame Ereignisse des Pontifikats Benedikts XVI. heraus, u.a. dessen Regensburger Rede vom 12. September 2006 und die Enzyklika „Spe salvi”. In dieser Enzyklika wird laut dem italienischen Soziologen präzise dargelegt, wie es tatsächlich zu dem tiefgreifenden Prozess gekommen ist, der die Menschen schrittweise von der uralten Synthese von Glaube und Vernunft weggeführt habe. Diese Synthese sei vom christlichen Europa unter enormen Anstrengungen im Laufe der Jahrhunderte durch Gebet, Wissenschaft und Arbeit errungen worden. Dabei nannte Prof. Introvigne vier konkrete Bedrohungen: Zunächst die Philosophie Martin Luthers, der mit dem Rationalismus der Renaissance zugleich auch die menschliche Vernunft verworfen und sich statt dessen auf den Weg eines gefährlichen Fideismus begeben habe, wodurch die Zerstörung des mittelalterlichen Christentums eingeleitet worden sei. Später der Illuminismus und schließlich die diversen Ideologien des 19. Jahrhunderts, die sich relativ rasch in „blutige Maschinerien der Tyrannei und Unterdrückung“ verwandelt hätten. Als vierten Punkt der für den Wandel verantwortlichen Faktoren nannte der italienische Soziologe den gegenwärtigen Nihilismus, der in einem aggressiven Relativismus zum Vorschein komme. Dieser entwickle sich immer mehr zur Diktatur, die die Heiligtümer jeglichen menschlichen Lebens und insbesondere der Familie attackiere. Prof. Introvigne verwies auf die zahlreichen Lehrschreiben Benedikts XVI. und erwähnte dabei auch die Enzyklika Caritas in veritate, in der die zunehmende Umgestaltung der Politik in eine Diktatur des Relativismus angeprangert wird. „Die soziale Frage wird heute auf radikale Weise zu einer anthropologischen Frage” –  sagte der italienische Soziologe in Anklang an gleichlautende Warnungen des Hl. Vaters.

Prof. Introvigne rief ferner in Erinnerung, dass  in der Lehre Benedikts XVI. vor allem auch die Religionsfreiheit eine wesentliche Rolle spielt. Zu deren Bedeutung habe sich der Papst  in zahlreichen Reden an die Gläubigen, den engsten Mitarbeiterkreis und das Diplomatische Korps sowie in vielen Botschaften und Ansprachen wiederholt geäußert. Der Hl. Vater habe immer wieder vor der Leugnung der Religionsfreiheit in Europa und der gesamten westlichen Welt gewarnt. „In seiner Ansprache an die Römische Kurie vom 21. Dezember 2012 hat der Papst darauf hingewiesen, dass die Endphase der Krankheit unserer Zivilisation in der Gender-Ideologie besteht, die davon ausgeht, dass wir nicht von Natur aus entweder Mann oder Frau sind, sondern uns die geschlechtliche Natur einfach selbst aussuchen können“ – betonte Prof. Introvigne.

 

Agnieszka Gracz

NaszDziennik.pl