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Die Kirche in Gottes Hand
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Das Bindeglied zweier großer Pontifikate

Wtorek, 19 lutego 2013 (14:16)

 

Sławomir Jagodziński im Gespräch mit  dem Erzbischof von Stettin-Cammin, Andrzej Dzięga

Die Entscheidung des Hl. Vaters, von seinem Amt zurückzutreten, hat die Gläubigen sehr bewegt. Aber sollte diese Entscheidung wirklich als außergewöhnliche Sensation betrachtet werden?

– Wir haben es mit einer ganz persönlichen Entscheidung Benedikts XVI. zu tun, die im Kontext kirchenrechtlicher Normen als völlig normal anzusehen ist, obgleich dies in der Tat kein alltägliches Ereignis ist. Aus dem Blickwinkel der rechtlichen Mechanismen im Leben der Gemeinschaft der Kirche ist dieser Akt absolut normal, da die Kirche immer schon die Möglichkeit eines freiwilligen Amtsverzichts des Papstes zugelassen hat. Eigentlich war es schon immer so, dass der Hl. Vater sein Amt entweder durch Tod oder souveränen Verzicht ruhen ließ. Der päpstliche Akt des Amtsverzichts erfordert auch keinen gesonderten Rechtsakt der Annahme von irgendeiner Seite. Diese Entscheidung wird vom Bischof von Rom aus freiem Willen verkündet. Nochmals sei betont: Das ist eine normale, wenngleich nicht alltägliche Sache.

Zweifellos hat der Hl. Vater seine Entscheidung auch gründlich durchdacht  und erst in inständigem Gebet errungen. Und nur so sollte man diese Entscheidung auch aufnehmen, unabhängig davon, ob man sie als Folge einer sich verschlechternden Gesundheit, Erschöpfung, hohen Alters, mangelnder Kräfte usw. interpretiert. Und unabhängig davon, ob man die Ankündigung Benedikts XVI. – „auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen” zu wollen – eher biblisch versteht: „Maria hat das Bessere gewählt.“ Letztendlich ist dies jedoch eine Sache der persönlichen Entscheidung des Hl. Vaters und des Herrgotts selbst.

Dennoch ist dieses Ereignis tatsächlich absolut ungewöhnlich und kommt daher für uns überraschend. Es erstaunt die Welt. Aber diese Überraschung ist rein vordergründig, da das, was geschehen ist, zum gewöhnlichen Prozedere der Kirche gehört, das niemals ausgeschlossen werden darf. Man sollte diese Situation jedoch nicht übermäßig kommentieren, da dies nur die Klarheit der Lage verdunkelt. Besser wäre es, die Entscheidung Benedikts XVI. im Glauben anzunehmen und nur das Gebet für die Kirche und den Glauben in der heutigen Welt weiter zu vertiefen.

Weist die Normalität – wenngleich Seltenheit – dieser Situation noch auf etwas anderes hin?

– Alle Katholiken sollten jetzt ihren inneren Frieden soweit wie möglich bewahren und diese Entscheidung ohne überflüssige Emotionen im Geiste des Glaubens und des Gebets annehmen. Der Hl. Vater hat das mit Sicherheit tief durchdacht und in seinem Gewissen vor Gott gründlich erwogen. Zugleich hat er diese Entscheidung präzise vorbereitet und verkündet. Dieser Papst  lässt sich nicht einfach von Emotionen treiben und handelt auch nicht unter dem Einfluss abrupter Impulse. Benedikt XVI. ist vielmehr ein Papst mit prophetischem Blick und prophetischer Wortgewalt. Er ist ein kontemplativer Papst von großer Weisheit und ein zutiefst spiritueller Mensch. Solche Menschen handeln äußerst verantwortungsbewusst.

Die letzten Tage der Amtszeit Benedikts XVI. fallen in die Fastenzeit.  Wurde auch das vom Hl. Vater geplant und ist dies ebenfalls ein Zeichen, das von der Kirche gedeutet werden sollte?

– Wir erleben dies nicht nur an der Schwelle zur Fastenzeit, aber auch mitten im Jahr des Glaubens. Dieser Kontext darf nicht übersehen werden. Dabei habe ich folgenden zeitlichen Zusammenhang bemerkt: Der Hl. Vater hat verkündet, dass er genau am 28. Februar um 20.00 Uhr von seinem Amt zurücktreten wird. Dies hat in mir die Frage geweckt: Warum gerade dieser Tag und diese Stunde? Nach dem Blick auf den Kalender war alles klar: Der 28. Februar ist der Donnerstag vor dem ersten Freitag im Monat. Es ist also die Stunde des Abendmahls oder besser gesagt die Stunde des Ölbergs. Meiner Ansicht nach weist der Hl. Vater mit dem zeitlichen Hinweis – 20.00 Uhr – eben auf die Stunde des Ölbergs hin, als Christus seine Jünger bat: ”Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.„ Die Apostel aber schliefen ein. Daraufhin bekamen sie den Vorwurf zu hören: ”Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen?„. Ich bin überzeugt, dass Benedikt XVI. mit der genannten Zeitangabe – 20.00 Uhr am Donnerstag vor dem ersten Freitag im Monat März – uns auf präzise Weise und ganz bewusst mitten im Jahr des Glaubens und an der Schwelle zur Fastenzeit dazu führen möchte, zusammen mit Jesus in meditativem Gebet auszuharren. Es lohnt sich, im Geiste der Ölbergerfahrung zu wachen und für die Belange der Kirche und den Glauben in der Welt zu beten. Der Hl. Vater übergibt uns so auf unübersehbare Weise der fürsorglichen Obhut Christi, der das Haupt der Kirche ist. Der Papst weist uns damit gleichsam darauf hin, sich vor allem in das Wort Christi zu versenken, denn nur Sein Wort und Seine Macht können uns verändern und die Welt retten. Jesus von Nazareth bzw. die Notwendigkeit des Glaubens an Ihn bildet ja in gewisser Hinsicht das seelsorgerliche Programm von Papst Benedikt XVI. Die Kirche soll also eng bei Christus ausharren – und zwar in knieender Haltung – erst dann ist sie sicher. Zugleich soll die Kirche der Welt den auferstandenen Herrn verkünden – erst dann ist sie treu.

Bezeichnenderweise waren auch unter dem Pontifikat des seligen Papstes Johannes Pauls II. der zeitliche Kontext bzw. konkrete Tage im Kirchenjahr von erheblicher symbolischer Bedeutung.

– Auffällig ist, dass genau vier Wochen nach dem angekündigten Rücktritt Benedikts XVI. – am 28. März – Gründonnerstag ist, also der Abend vor dem Karfreitag, an dem wir gemeinsam mit Jesus in tiefem Gebet auf dem Ölberg wachen. Das sind genau vier Wochen. Ich bin überzeugt, dass der Hl. Vater dies genau durchdacht hat und diese Zeichen der Zeit ganz bewusst übermittelt. Auch beim seligen Johannes Paul II. hatten wir es vielfach mit einer gewissen Zeitsymbolik zu tun. Ich erinnere nur an den denkwürdigen Augenblick, als sich Johannes Paul II. im Jahre 2005 während des Kreuzweges im Kolosseum zärtlich ans Kreuz schmiegte. Dies war der 25. März, an dem die Kirche zugleich das Hochfest der Verkündigung des Herrn begeht. Der Karfreitag des Papstes war vom Geheimnis der Menschwerdung durchdrungen. In einem einzigen Augenblick hat sich damals die gesamte Sendung Christi – von der Menschwerdung bis zur Kreuzigung – gleichsam verdichtet. An diesem Tag begann auch die Novene zur Göttlichen Barmherzigkeit. Johannes Paul II. betete die Novene damals zum letzten Mal unter uns und am Abend nach dem ”Appell von Jasna Góra“ zur Hl. Muttergottes von Tschenstochau – am Vorabend des Festes der Göttlichen Barmherzigkeit – kehrte er ins Haus des Vaters zurück.

Dabei ist daran zu erinnern, dass es Johannes Paul II. war, der noch als Kardinal Karol Wojtyła denkwürdige Exerzitien im Vatikan durchführte. Abgesehen von zahlreichen anderen herrlichen Reflexionen sprach er damals auch von der durch die Jünger verspielten Stunde auf dem Ölberg, was die Kirche seit 2000 Jahren gleichsam wieder „aufzuholen“ versucht. Vielleicht möchte Benedikt XVI. jetzt die Kirche – uns alle – durch den zeitlichen Kontext seines Amtsverzichts zusätzlich in Jesus Christus verankern. Ich sehe das im Geheimnis des Gründonnerstagabends und in der Aufforderung, mit Jesus auf dem Ölberg im Gebet zu wachen. Dies ist eine heilige Stunde. Ich denke, wir haben das Recht, diese Symbolik auch in dieser Weise zu deuten. Der Papst, der uns die ganze Zeit über Jesus von Nazareth verkündigt hat, erinnert uns jetzt alle erneut daran: ”Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!„ Dies könnte gewissermaßen ein eigentümliches Bindeglied dieser beiden großen Pontifikate sein – und für uns eine stabile Quelle geistlicher Kraft sowie ein Zeichen der Treue zu Christus.

Vielen Dank für das Gespräch!

Aktualizacja 15 lipca 2013 (20:49)

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